Weiße Fliege erkennen und biologisch bekämpfen
Kleine weiße Fliegen, die beim Berühren aufstieben? So erkennst du die Weiße Fliege früh, hältst sie mit Netz und Nützlingen fern und wirst sie ohne Chemie los.
Zuletzt geprüft am · von Sylvia Falbesoner
Wer eine Kohl- oder Tomatenpflanze anfasst und plötzlich eine kleine weiße Wolke aufsteigen sieht, hat die Weiße Fliege zu Besuch. Die winzigen, mottenartigen Insekten sind trotz ihres Namens keine Fliegen, sondern mit den Blattläusen verwandt – und wie diese saugen sie Pflanzensaft. Vor allem im Gewächshaus und an geschützten, warmen Standorten können sie sich rasant vermehren. Mit den richtigen Handgriffen bekommst du sie aber gut in den Griff, ganz ohne Spritzmittel.
Weiße Fliege erkennen: so sieht der Befall aus
Die erwachsenen Tiere sind nur ein bis zwei Millimeter groß, schneeweiß und sitzen bevorzugt an den jüngsten Blättern nahe der Triebspitze. Störst du die Pflanze, flattern sie kurz auf und setzen sich schnell wieder. Auf der Blattunterseite findest du außerdem die unbeweglichen Larven – kleine, blassgrüne, schuppenartige Gebilde – und winzige weiße Eier in kreisförmiger Anordnung.
Ein sicheres Indiz ist der klebrige Belag: Wie Blattläuse scheiden auch Weiße Fliegen zuckerhaltigen Honigtau aus. Er glänzt auf den darunterliegenden Blättern und wird schnell von schwarzen Rußtaupilzen besiedelt, die das Blatt verschmutzen und die Photosynthese behindern. Stark befallene Pflanzen kümmern, vergilben und bleiben im Wuchs zurück. Besonders gern gehen die Fliegen an Tomaten, Gurken, Paprika, Kohlgewächse und viele Zierpflanzen.
Ursachen: warum die Weiße Fliege sich wohlfühlt
Weiße Fliegen lieben es warm und geschützt. Im Gewächshaus, im Wintergarten oder an einer heißen Hauswand können sie sich über viele Generationen ununterbrochen vermehren, weil der Frost sie dort nicht ausbremst. Im beheizten Raum überwintern sie sogar an Zimmerpflanzen und wandern im Frühjahr aufs Gemüse über.
Wie bei vielen saugenden Insekten macht üppige, stickstoffbetonte Düngung das Blattgewebe weich und für die Tiere besonders attraktiv. Auch dicht gedrängte, schlecht belüftete Bestände und eingeschleppte Jungpflanzen aus dem Handel sind typische Startpunkte. Ein prüfender Blick unter die Blätter vor dem Kauf lohnt sich daher immer.
Der Lebenszyklus: warum Hartnäckigkeit zählt
Um die Weiße Fliege zu verstehen, muss man ihren Entwicklungsgang kennen. Aus den Eiern auf der Blattunterseite schlüpfen zunächst bewegliche Larven, die sich bald festsetzen und sich mehrere Stadien lang unbeweglich vom Pflanzensaft ernähren, bevor die nächste Generation erwachsener Fliegen ausfliegt. Das bedeutet: Zu jedem Zeitpunkt sitzen Eier, festsitzende Larven und fliegende Tiere gleichzeitig auf der Pflanze. Eine einzige Maßnahme erwischt immer nur einen Teil davon. Erfolg hat deshalb nur, wer über mehrere Wochen dranbleibt und die Population Generation für Generation kleiner werden lässt – genau hier spielen Nützlinge ihre Stärke aus, weil sie ausdauernd über den ganzen Zyklus wirken.
Vorbeugen: draußen halten, was gar nicht erst rein soll
Die wirkungsvollste Vorbeugung im Freiland und am Balkon ist ein Kulturschutznetz mit feiner Maschenweite. Deckst du empfindliche Kulturen wie Kohl direkt nach dem Pflanzen ab, kommen die Fliegen gar nicht erst an die Blätter. Achte darauf, dass das Netz an den Rändern gut schließt. Wie du es richtig spannst und für welche Kulturen es sich lohnt, steht bei Kohlweißling und Möhrenfliege, wo dasselbe Netz zum Einsatz kommt.
Halte deine Pflanzen kräftig, aber nicht überfüttert, und dünge lieber maßvoll und organisch – wie das geht, liest du unter Bio düngen. Kontrolliere im Gewächshaus die Blattunterseiten regelmäßig und hänge früh gelbe Leimtafeln auf, um einen beginnenden Befall zu bemerken, bevor er außer Kontrolle gerät. Ein vielfältiger Bestand mit gut kombinierten Partnern ist robuster; Anregungen liefert der Mischkultur-Check.
Biologisch handeln: Gelbtafeln und Schlupfwespen
Hast du Weiße Fliegen entdeckt, hilft eine Kombination aus Fangen und Nützlingen. Gelbtafeln (gelbe Leimtafeln) nutzen die Vorliebe der Tiere für die Farbe Gelb: Die erwachsenen Fliegen fliegen sie an und bleiben kleben. Im Gewächshaus reduzieren sie die Population spürbar und zeigen dir gleichzeitig, wie stark der Befall ist. Als Frühwarnsystem sind sie unschlagbar – zum Ausrotten allein reichen sie meist nicht, weil Eier und Larven auf den Blättern bleiben.
Deshalb ist der stärkste Hebel im geschlossenen Raum die Schlupfwespe Encarsia formosa. Diese winzige, für Mensch und Pflanze harmlose Schlupfwespe legt ihre Eier in die Larven der Weißen Fliege und bringt den Befall über einige Wochen zum Erliegen. Sie ist im Fachhandel auf Kärtchen erhältlich, die du einfach in die Pflanzen hängst. Wichtig: Gelbtafeln und Schlupfwespen vertragen sich schlecht, denn die Tafeln fangen auch die Nützlinge – setzt du Schlupfwespen ein, nimm die Tafeln vorher heraus. Mehr zu Nützlingen und ihrer gezielten Ansiedlung findest du unter Nützlinge fördern.
Zusätzlich kannst du stark befallene, verklebte Blätter entfernen und im Restmüll entsorgen. Ein kräftiger Wasserstrahl auf die Blattunterseiten spült einen Teil der Tiere weg. An Zimmerpflanzen, die als Winterquartier dienen, lohnt eine gründliche Kontrolle im Herbst, damit im Frühjahr nicht die nächste Welle aufs Gemüse überspringt.
Geduld ist bei der Weißen Fliege der wichtigste Verbündete. Weil ständig neue Tiere aus Eiern und Larven nachkommen, verschwindet ein Befall nicht über Nacht, sondern ebbt über einige Wochen ab, wenn du konsequent bleibst. Wechsle die Gelbtafeln aus, sobald sie voll sind, kontrolliere weiter die Blattunterseiten und gib den Nützlingen Zeit zu arbeiten. Und behalte im Blick, dass eine kräftige, gut versorgte Pflanze einen Restbefall meist locker wegsteckt – nicht jede Fliege im Beet ist ein Grund zur Sorge, erst die Masse macht den Schaden.
Ein Nebeneffekt lohnt noch der Beachtung: Der klebrige Honigtau lockt Ameisen an, die die saugenden Insekten sogar verteidigen, weil sie den Zuckersaft „ernten". Wer viele Ameisen an einer befallenen Pflanze sieht, hat also oft gleich zwei Baustellen. Den schwarzen Rußtaupilz auf dem Honigtau kannst du bei einzelnen Blättern einfach mit einem feuchten Tuch abwischen – er schadet nicht direkt, verschmutzt aber das Blatt und nimmt ihm Licht. Verschwindet die Weiße Fliege, verschwindet mit dem Honigtau nach und nach auch der Rußtau.
Quellen & weiterführende Informationen
- AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Pflanzengesundheit)
- Arche Noah – Verein zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt
- Grundlagen zum Nützlingseinsatz mit Encarsia formosa im Gewächshaus: Beratungsstellen der Landwirtschaftskammern.