Kohlweißling bekämpfen: Netz und Absammeln helfen

Kohlweißling am Kohl: Eier und Raupen sicher erkennen und absammeln – und warum ein Kulturschutznetz zur richtigen Zeit dein Beet zuverlässig schützt.

Zuletzt geprüft am · von Sylvia Falbesoner


Weiße Falter, die gaukelnd über das Beet tanzen – hübsch anzusehen, bis du zwei Wochen später deinen Kohl anschaust: Löcher, Skelettfraß, Kotkrümel, und mittendrin gut getarnte Raupen. Der Kohlweißling ist der Klassiker unter den Kohlschädlingen.

Die gute Nachricht: Kaum ein Schädling lässt sich so zuverlässig und so komplett ohne Spritzmittel abwehren. Ein feinmaschiges Kulturschutznetz zur richtigen Zeit löst das Problem fast vollständig – und was durchrutscht, sammelst du ab. Wie das im Detail funktioniert, liest du hier.

Kohlweißling erkennen: Falter, Eier, Raupen, Fraßbild

Es gibt zwei Arten, die dir begegnen: der Große und der Kleine Kohlweißling. Beide Falter sind weiß mit dunklen Flügelspitzen – für die Praxis im Beet ist der Unterschied bei den Raupen wichtiger:

  • Großer Kohlweißling: legt seine gelben Eier in Gruppen an die Blattunterseite. Die Raupen sind auffällig gelb-schwarz gezeichnet und fressen anfangs gesellig nebeneinander – oft wird ein Blatt bis auf die Rippen skelettiert.
  • Kleiner Kohlweißling: legt einzelne Eier. Die mattgrüne, samtig behaarte Raupe ist perfekt getarnt, sitzt gern entlang der Blattrippe und frisst sich mit Vorliebe ins Herz des Kohlkopfs – dort richtet sie den größten Schaden an.
  • Fraßbild: Löcher und Randfraß ohne Schleimspuren, dazu grün-schwarze Kotkrümel in den Blattachseln – ein sicheres Zeichen, dass die Täter noch da sind.

Betroffen sind alle Kohlarten – vom Weißkohl über Brokkoli und Kohlrabi bis zum Grünkohl – sowie andere Kreuzblütler wie Radieschen und Rucola.

Verwechslungsgefahr: welche Raupe ist es wirklich?

  • Kohleule: bräunlich-grüne, nachtaktive Raupen, die sich tagsüber verstecken und tief in die Köpfe bohren. Bekämpfung ist dieselbe: Netz und Absammeln.
  • Kohlmotte: winzige, zappelige grüne Räupchen, Fensterfraß (die Blatthaut bleibt stehen).
  • Erdflöhe: viele kleine runde Löcher wie Schrotschuss, vor allem an Jungpflanzen – mehr dazu im Ratgeber Löcher in Blättern.
  • Schnecken: ähnlicher Lochfraß, aber mit Schleimspur – siehe Schnecken bekämpfen.
  • Kümmernde, welke Pflanzen ohne Fraßspuren haben eine andere Ursache – oft die bodenbürtige Kohlhernie.

Vorbeugen: das Netz ist DIE Lösung

Kulturschutznetz richtig einsetzen

Der Kohlweißling kann nur schaden, wenn er seine Eier ablegen kann. Verhinderst du das, gibt es keine Raupen – so einfach ist die Logik. Ein feinmaschiges Kulturschutznetz (Maschenweite unter etwa 1 mm hält nebenbei auch Kohlfliege und Erdflöhe ab) kommt sofort nach der Pflanzung über das Beet. Dabei zählen drei Dinge:

  • Ränder dicht: Das Netz rundum mit Erde, Brettern oder Steinen beschweren – Falter finden jede Lücke.
  • Abstand zum Blatt: Liegt das Netz direkt auf den Blättern auf, legen die Falter ihre Eier einfach durch die Maschen. Bögen oder lockere Führung mit viel Spielraum lösen das.
  • Drauf lassen: Das Netz bleibt bis zur Ernte liegen und wird nur zum Jäten und Kontrollieren kurz geöffnet – am besten abends, wenn wenig Falterflug ist. Gegossen wird einfach durchs Netz.

Das Zeitfenster kennen

Der Kohlweißling fliegt in mehreren Generationen: Die erste erscheint im Frühjahr und richtet im Gemüsebeet meist noch wenig aus, die Sommergenerationen ab etwa Juli sind die gefährlichen – dann ist der Druck auf Kraut, Brokkoli und Kohlsprossen am höchsten. Praktisch heißt das: Spätestens ab dem Frühsommer ist das Netz Pflicht, und sehr frühe Kohlrabi- oder Brokkoli-Sätze entgehen dem Hauptdruck oft ganz. Die passenden Aussaat- und Pflanzfenster für deine Lage findest du im Aussaatkalender.

Dein bester Kalender ist aber der Blick in den Garten: Sobald die ersten weißen Falter über die Beete gaukeln, läuft die Eiablage – ab dann heißt es kontrollieren. In milden Herbsten bleibt der Kleine Kohlweißling erstaunlich lange aktiv; wer Grünkohl oder Kohlsprossen für die späte Ernte stehen hat, lässt das Netz deshalb einfach bis in den Spätherbst drauf.

Mischkultur und Nützlinge

Stark duftende Nachbarn wie Sellerie oder Paradeiser (Tomaten) sollen den Faltern das Auffinden der Kohlpflanzen erschweren – ein Zusatznutzen, auf den du dich allein aber nicht verlassen solltest; die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber Mischkultur verstehen. Verlässlicher arbeiten die natürlichen Gegenspieler: Feldwespen tragen Raupen als Brutfutter davon, Meisen verfüttern sie an ihre Jungen, und die Schlupfwespe Cotesia glomerata parasitiert die Raupen des Großen Kohlweißlings. Wie du diese Helfer in den Garten holst, liest du unter Nützlinge fördern.

Bekämpfen: absammeln, kontrollieren, dranbleiben

Sind die Raupen trotzdem da, hilft Handarbeit – und die ist beim Kohlweißling wirklich effektiv, weil Eier und Jungraupen gut auffindbar sind:

  1. Wöchentlich kontrollieren: Ab Beginn des Falterflugs alle Blattunterseiten absuchen – die gelben Eigelege des Großen Kohlweißlings sind kaum zu übersehen.
  2. Eigelege zerdrücken: Ein Handgriff, und aus einem Gelege werden nie vierzig Raupen.
  3. Raupen absammeln: Junge Raupen sitzen beim Großen Kohlweißling gesellig – ganze Trupps lassen sich mit dem Blatt abnehmen. Beim Kleinen Kohlweißling lohnt der Blick ins Herz der Pflanze und entlang der Blattrippen.
  4. Stark befallene Außenblätter entfernen und nicht neben dem Beet liegen lassen.
  5. Nach der Ernte aufräumen: Strünke und Kohlreste vom Beet nehmen – daran können sich Puppen zum Überwintern verstecken.

Im Fachhandel gibt es auch biologische Präparate gegen Kohlraupen. Sie sind zulassungspflichtige Pflanzenschutzmittel und deshalb hier bewusst kein Thema – im Hausgarten kommst du mit Netz plus Absammeln praktisch immer ans Ziel.

Ist angefressener Kohl noch essbar?

Ja. Fraßlöcher sind ein Schönheitsfehler, kein Gesundheitsproblem. Entferne die äußeren Blätter, schneide Fraßstellen weg und wasch Brokkoli- und Karfiolröschen gründlich – ein Bad in kaltem Salzwasser treibt versteckte Raupen zuverlässig heraus. Beim Grünkohl gilt dasselbe: Der wird bei mildem Herbstwetter gern noch spät besucht, also auch hier vor der Küche Blatt für Blatt durchschauen. Wegwerfen musst du nur, was wirklich zerfressen oder verkotet ist.

Quellen & weiterführende Informationen