Löcher in Blättern: den Verursacher erkennen
Löcher in den Blättern deines Gemüses? Am Fraßbild erkennst du, wer dahintersteckt – Schnecken, Raupen, Erdflöhe oder Käfer – und wie du ohne Chemie handelst.
Zuletzt geprüft am · von Sylvia Falbesoner
Über Nacht sind aus dem gesunden Salatblatt Löcher geworden – aber wer war es? Die richtige Antwort ist bares Geld wert, denn gegen Schnecken hilft etwas ganz anderes als gegen Raupen oder Erdflöhe. Zum Glück hinterlässt fast jeder Verursacher ein charakteristisches Fraßbild. Wenn du weißt, worauf du achten musst, wirst du zum Detektiv im eigenen Beet – und kannst gezielt und ganz ohne Spritzmittel reagieren.
Schritt 1: Das Fraßbild lesen
Nimm dir das befallene Blatt vor und schau genau hin – am besten mit einer Lupe. Achte auf drei Dinge: die Form und Lage der Löcher (am Rand oder mittig, groß oder klein), auf Spuren wie glänzenden Schleim oder Kotkrümel und darauf, wann der Schaden passiert (nachts oder tagsüber). Wende das Blatt auch um: Viele Übeltäter sitzen tagsüber gut getarnt auf der Unterseite.
Schritt 2: Die Diagnose-Tabelle
| Fraßbild & Spuren | Wahrscheinlicher Verursacher | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Große, unregelmäßige Löcher an Blatträndern und -flächen, silbrig glänzende Schleimspuren, Schaden über Nacht oder bei feuchtem Wetter, bodennah | Schnecken | Schnecken bekämpfen |
| Löcher und Fensterfraß mitten im Blatt, grüne oder schwarze Kotkrümel, grüne oder samtig behaarte Raupen (oft an der Unterseite), besonders an Kohl | Raupen (z. B. vom Kohlweißling oder von Eulenfaltern) | Kohlweißling |
| Viele winzige, runde Löchlein wie mit Schrot geschossen, vor allem auf jungen Kreuzblütlern (Radieschen, Rucola, Kohl, Senf) bei warm-trockenem Wetter; kleine Käfer springen beim Berühren weg | Erdflöhe | Siehe „Erdflöhe" weiter unten |
| Halbrunde Buchten vom Blattrand her eingekerbt, wie ausgestanzt; Schaden nachts, tagsüber keine Tiere sichtbar | Käfer, z. B. Dickmaulrüssler | Siehe „Käfer & Larven" weiter unten |
| Blätter bis auf die Blattadern skelettiert oder ganze Blätter kahl gefressen, dicke Larven oder auffällig gestreifte Käfer sichtbar (an Kartoffel/Tomate) | Käferlarven (z. B. Kartoffelkäfer) | Absammeln, siehe unten |
| Nur die obere Blatthaut geschabt, das gegenüberliegende Häutchen bleibt als „Fenster" stehen | Junge Raupen oder junge Schnecken | Blattunterseiten kontrollieren |
Schritt 3: Erwischen, wer sich versteckt
Viele Blattfresser sind nachtaktiv oder tarnen sich am Tag – deshalb siehst du oft nur den Schaden, nie den Täter. Der beste Trick ist eine Taschenlampen-Kontrolle nach Einbruch der Dunkelheit: Dann sind Schnecken, viele Raupen und Käfer wie der Dickmaulrüssler unterwegs und lassen sich direkt beobachten und absammeln. Tagsüber lohnt der Griff unter die Blätter und in die Herzblätter, wo Raupen und Larven sitzen. Kontrolliere junge Kulturen am besten täglich – so bleibt der Befall klein und du erkennst früh, welches Muster sich entwickelt.
Schnecken: die häufigste Antwort
Wenn morgens plötzlich große Löcher da sind und du silbrig glänzende Schleimspuren auf Blättern, Erde oder Töpfen findest, sind fast immer Schnecken am Werk – meist die gefräßige Spanische Wegschnecke. Sie fressen bevorzugt nachts und bei feuchtem Wetter und machen sich gern über junge Salate, Sämlinge und weiche Blätter her. Was gegen sie hilft – von Schneckenkragen über Absammeln bis zu trockenen Barrieren –, liest du ausführlich unter Schnecken.
Raupen: Löcher mit Krümeln
Löcher mitten im Blatt, dazu kleine grüne oder schwarze Kotkrümel auf den Blättern darunter – das ist die Handschrift von Raupen. An Kohl, Kohlrabi und Verwandten sind es oft die Larven des Kohlweißlings; andere Falter legen ihre Eier an ganz unterschiedlichem Gemüse ab. Die Raupen sind tagsüber gut getarnt, meist auf der Blattunterseite oder in den Herzblättern. Absammeln ist die direkteste Methode, ein Kulturschutznetz die beste Vorbeugung. Alles zum Erkennen und Fernhalten steht unter Kohlweißling.
Erdflöhe: der Schrotschuss auf jungen Kreuzblütlern
Sehen die Blätter aus, als hätte jemand mit Schrot darauf geschossen – viele winzige, runde Löchlein –, und stehen dort junge Radieschen, Rucola, Kohl oder Senf, sind Erdflöhe die Verdächtigen. Die winzigen Käfer springen bei Störung weg und lieben warm-trockene Bedingungen. Junge Pflanzen können sie stark schwächen, ältere stecken den Fraß meist weg. Am besten hältst du den Boden rund um die Kulturen feucht und deckst die Aussaat früh mit einem engmaschigen Kulturschutznetz ab – das ist zugleich der Schutz gegen viele andere Blattfresser. Eine geschickte Mischkultur lenkt die Käfer zusätzlich ab; passende Kombinationen findest du im Mischkultur-Check.
Käfer & Larven: absammeln und beobachten
Halbrunde Buchten, die wie mit dem Locher vom Blattrand her eingestanzt wurden, gehen oft auf den nachtaktiven Dickmaulrüssler zurück; der Fraß sieht dramatisch aus, ist aber selten existenzbedrohend. Deutlich ernster ist Kahlfraß an Kartoffeln und Tomaten durch den auffällig gelb-schwarz gestreiften Kartoffelkäfer und seine dicken, rötlichen Larven. Bei beiden ist konsequentes Absammeln die wirksamste und umweltfreundlichste Methode: Käfer und Larven ablesen, in einen Eimer geben, Eigelege auf den Blattunterseiten mit abstreifen. Wer täglich kontrolliert, hält den Befall klein.
Vorbeugen und Nützlinge fördern
Egal, wer die Löcher macht: Ein vielfältiger Garten mit vielen Fressfeinden hält die Fresser in Schach. Vögel, Igel, Laufkäfer, Schlupfwespen und Co. erledigen einen Großteil der Arbeit von selbst, wenn du ihnen Lebensraum bietest – wie das geht, steht unter Nützlinge fördern. Junge, empfindliche Kulturen schützt du am zuverlässigsten mit einem Kulturschutznetz, kräftige Pflanzen aus guter Anzucht stecken kleinen Fraß ohnehin besser weg.
Beim Kulturschutznetz kommt es auf den Zeitpunkt an: Es muss direkt nach der Aussaat oder dem Pflanzen auf die Kultur, bevor die Falter, Käfer oder Fliegen ihre Eier ablegen konnten. Später übergestülpt, schließt es den Schädling womöglich sogar mit ein. Achte darauf, dass die Ränder ringsum dicht am Boden aufliegen, und hebe das Netz nur kurz zum Jäten oder Ernten an. Ein bisschen Fraß solltest du dabei gelassen sehen: Ein gesunder Garten mit Vögeln, Igeln und Laufkäfern verträgt ein paar angeknabberte Blätter locker, und perfekt makellose Pflanzen sind weder nötig noch das Ziel.